Das Gesellschaftshaus zum Greifen
Die Gesellschaft „zum Baum“ später „zum Greifen“ hatte Ihr erstes Gesellschaftshaus bis zum Umzug in die Greifengasse am Schafgässlein 1 im Haus „zem hinder boum“.
Im Jahre 1425 siedelte die Gesellschaft zum Baum in die heutige Greifengasse über. Sie verkaufte die Liegenschaften am Schafgässlein und erwarb das Haus „zem Gryffen“ an der damaligen „sant Claren gassen“. Der Strassenzug änderte dann in den folgenden Jahren mehrmals den Namen. So hiess er z.B. 1443 „Kremergasse“, 1478 „Burgergasse“, 1577 nannte man die Strasse „Krempergassen“. 1861 erhielt die Strasse den heutigen Namen „Greifengasse“. Das Haus „zum Greifen“ stand an der Greifengasse 31.
Die genannte Liegenschaft wird bereits im Jahre 1363 urkundlich erwähnt. Besitzer des Bodens war das Kloster St. Alban. Dem auch jährlich der Bodenzins bezahlt werden musste. Beachtung verdient eine Urkunde aus dem Jahre 1671 wodurch Rudolf Klubers Witwe der Gesellschaft zum Greifen gestattete, von der hinteren Stube des Gesellschaftshauses durch das mittlere Fenster einen Gang, drei Schuh breit jedoch ohne Fenster, nach dem vorderen Teil des Hauses über ihr Höflein zu legen.
Abgesehen von der Eigenschaft eines alten Gesellschaftshauses war das Haus für das Kleinbasel von Bedeutung weil sich darin dieerste Apotheke Kleinbasels befand. Dass dies von Belang gewesen ist zeigen die über die Einrichtung der Apotheke geführten Verhandlungen. Diese erstreckten sich über volle 8 Jahre. Im Jahre 1829 verlangten die Drei Ehrengesellschaften Kleinbasels, dass die Bewilligung zur Errichtung einer Apotheke erteilt werde. Dieses Bedürfnis sei schon lange vorhanden und es könne nicht bestritten werden.Die kleine Stadt habe 4000 bis 6000 Einwohner und keine Apotheke, während die ca. 16000 Einwohner von Grossbasel 7 Apotheken besitzen würden. Zudem sei der Weg über die Brücke beschwerlich und unter Umständen könne dieser sogar unterbrochen werden. Die 7 Apotheken Grossbasels erhoben dagegen entschieden Protest. Begründung: „Ein genügender Erwerb sei im Kleinbasel nicht zu erwarten und es sei auch kein Vorteil dabei. Jeder von den sieben Apotheken verwahre sich gegen „das traurige Los einer Versetzung seiner Apotheke in das mindere Basel“. Ein Bedürfnis sei nicht vorhanden. Die wenigsten gewesen. Einer Vermehrung der Apotheken stünden Rechtshindernisse im Wege: die Zahl der Apotheken sei sieben und es bestünden sieben Privilegien, ein Achtessei schon im 17. Jahrhundert abgelehnt worden und könne nicht wieder verliehen werden.“
In dieser Weise zog sich der Streit weiter. In den Jahren der politischen Wirren blieb er ruhen Der Streit wurde dann aber 1835 durchwiederholte Begehren der Einwohner und der Ehrengesellschaften Kleinbasels wieder aufgenommen. Im Jahre 1837 wurde die Frage entschieden. Der Entscheid sah so aus, dass das Privilegium der Apotheke versteigert und der Ertrag zinstragend angelegt werde.
Der Ersteigerer dieses achten Privilegiums war der Apotheker J.C. Kellermann aus Thann. Demselben vermietete die Gesellschaft zum Greifen in ihrem Hause die erforderlichen Lokalitäten zur Einrichtung einer Apotheke. Diese blieb bis 1857 in Haus zum Greifen. Danach wurde die Apotheke an die Rheingasse 5 verlegt.
Im Jahre 1858 verkaufte die Gesellschaft zum Greifen die Liegenschaft für Fr. 17'000.00 an die Bierbrauer Benjamin Merian-Heusler und Louis Dietrich-Reim, welche dann ein Wirtshaus in der Liegenschaft einrichteten. 1928 wurde das Haus „zem Gryffen“ bei der Verbreiterung der Greifengasse abgerissen.
Erwin Hensch
Webmaster der Drei Ehrengesellschaften Kleinbasels
Quellennachweis: Topographie Kleinbasels von Rud. Wackernagel; Altstadtdt Kleinbasel von
Thomas Lutz; eigene Recherchen im StaBS
Fotos und Bilder: Erwin Hensch , Greifenhaus von Foto Hofmann und StaBS




