Die St. Nikolaus-Bruderschaft
Die St. Nikolaus-Bruderschaft wurde von einem kleinen Kreis von Gesellschaftsbrüdern der Drei Ehrengesellschaften Kleinbasels gegründet. Seit Jahren kam ein Freundeskreis von Gesellschaftsbrüdern aller drei Gesellschaften jeweils am Samstag zu einem gemütlichen Hock im Café Spitz zusammen. Im Laufe des Jahres 1952 kam die Idee auf, ob man nicht eine Bruderschaft, ähnlich der „St. Andreasbruderschaft“ der Safranzunft ins Leben rufen könnte. Der Gedanke fiel auf fruchtbaren Boden und alle waren damit
einverstanden.
Für die Bruderschaft wurde nun ein Name gesucht. Ein Vorschlag war, „Rhygassbruderschaft“ dieser war jedoch nicht genehm. Theodor Stohler hatte die glückliche Idee, die Bruderschaft „St. Nikolaus-Bruderschaft“ zu nennen. Dieser Name nimmt Bezug auf die St. Nikolauskapelle, welche im Mittelalter am selben Ort wie das jetzige Hotel Merian Spitz stand.
Der heilige St. Nikolaus ist der Schutzheilige der Schiffleute. Bis zur Reformation verrichteten diese ihr Dankgebet in der Kapelle nachdem sie die nicht ungefährliche Rheinfahrt beim Holzflössen hinter sich gebracht haben. Der Rhein war damals ein gar wilder Geselle und die Arbeit auf dem Wasser war mit vielen Gefahren verbunden. Der Schutzheilige der Schiffleute war im Mittelalter der populärste Heilige. Er war nicht nur Schutzheiliger sondern auch der gebende und schenkende Heilige. Aber auch der Strafende. Darum bringt er neben den Geschenken auch die Rute mit. Nach den Angaben des Konservators des Hist. Museums Basel, Hr. Prof. Dr. Reinhardt ist es nicht ausgeschlossen, dass die St .Nikolaus-Statue die in den 1940-er Jahren im Hotzenwald entdeckt und vom Hist. Museum erworben wurde, nicht einmal in der St. Nikolauskapelle stand.
Sie ist eine von den wenigen Statuen, welche den Bildersturm von 1529 überlebt hat und ist deshalb für Basel sehr wertvoll. Die St. Nikolauskapelle diente nach der Reformation allen möglichen Zwecken. Zuerst als Salzmagazin, dann im Jahre 1803 befand sich eine Reitschule darin. Nach 1813 diente sie als Remise und Stallung des Hotels zum weissen Kreuz, welchessich in unmittelbarer Nachbarschaft der Kapelle befand. Eine zweite St. Nikolauskapelle befindet sich im Grossbasel. Neben dem Kreuzgang des Basler Münsters ist ebenfalls eine Kappelle gleichen Namens, sie datiert aus dem 13. Jahrhundert. Dass zwei Kapellen in der Stadt Basel mit gleichem Namen geweiht wurden, zeugt von der damaligen Beliebtheit des Heiligen.
Am Vorabend des St. Nikolaustages, Samstag, 5. Dezember 1953 traf sich die Freundesrunde zur Gründungsversammlung der „St. Nikolaus-Bruderschaft“ im Vorgesetztenzimmer der Drei EhrengesellschaftenKleinbasels im Café Spitz.Nach einem Imbiss und einem gespendeten „Aigle“ nahm man die Gründung vor. Die nachfolgend aufgeführten Gesellschaftsbrüder waren anwesend.
| E. Gesellschaft zur Hären |
|---|
| Emil Schaefer Vorgesetzter Theodor Stohler Gesellschaftsbruder Georges Thommen Gesellschaftsbruder |
| E. Gesellschaft zum Greifen |
| Arnold Stehle Meister Ernst Eisenhut Statthalter Herman Kade Vorgesetzter Alfred Berlinger Gesellschaftsbruder |
| E. Gesellschaft zum Rebhaus |
| Arnold Vest Meister Walter Senft Schreiber Gustav Stork Gesellschaftsbruder |
Herr Theodor Stohler leitete die Gründungsversammlung.
Durch Theodor Stohler wurden mit dem Greifenmeister Herr Arnold Stehle Satzungen erarbeitet, welche folgendermassen lauteten:
Einleitende Präambel (genaue Abschrift)l:
Eingedenk
dass anno 1857 die
Drei-Ehrengesellschaften
die St. Nikolauskapelle
an der Rheingasse erworben und daselbst
ihr Gesellschaftshaus erweitert haben
geben wir unserer am heutigen Tag
gegründeten Bruderschaft den Namen:
„St. Nikolaus-Bruderschaft“
Basel, 5. Dezember 1953
§ 1 Die Nikolaus-Bruderschaft bezweckt die Freundschaft und Geselligkeit unter den Gesellschaftsbrüdern zu pflegen und kleinbaslerische Eigenart zu wahren und hochzuhalten.
§ 2 Die Bruderschaft ist ein kleiner Freundeskreis, der sich samstags zu gemütlichem Hock am runden Tisch im Gesellschaftshaus zusammenfindet.
§ 3 Jeweils am oder um den Nikolaustag herum halten die Brüder ein gemeinsames Mahl ab.
§ 4 Jeder Bruder zahlt zur Bestreitung gemeinsamer Ausgaben eine Eintrittsgebühr von Fr. 20.00 und monatlich Fr. 2.00 ins gemeinsame „Büchslin“, über welches der „Büchslin-Halter“ (Kassier) Rechnung ablegt. Aussergewöhnliche Ausgaben können durch eine besondere Auflage und durch freiwillige Zuwendungen gedeckt werden.
§ 5 Mitglieder der Bruderschaft können nur den Drei Ehrengesellschaften angehörende Bürger werden. Um die Aufnahme kann nicht nachgesucht werden, sondern wird von der Bruderschaft angetragen. Eine Aufnahme setzt Einstimmigkeit voraus. Bei der Aufnahme fragt der Bruder Nikolaus (Obmann) vor versammeltem Bott den neuen Bruder: „Willst Du die Bruderschaft ehren allzeit getreulich helfen mehren; so antworte: ja, ich gelobe es!“
§ 6 Bott und Aufnahme leitet der Bruderschaftsobmann. Über die Verhandlungen im Bott ist den Brüdern Stillschweigen geboten.
§ 7 Den Brüdern zur Freude und den Nachfahren zum Gedächtnis führt die Bruderschaft eine Chronik, die der Chronist (Schreiber) verwaltet.
§ 8 Wer in gröblicher Weise die Satzungen verletzt, oder im privaten und öffentlichen Leben Ärgernis erregt wird von der Bruderschaft ausgeschlossen. Zum Ausschluss bedarf es der Zustimmung von Zweidritteln aller Brüder.
§ 9 Bei einer eventuellen Auflösung der Bruderschaft geht das Inventar an die Drei Ehrengesellschaften und das Barvermögen an die Spendenkommission letzterer.
Die Satzungen wurden einstimmig angenommen.
Nachfolgend wurde der 1. Vorstand einstimmig gewählt.
Herr Theodor Stohler zum Obmann (Bruder Nikolaus)
Herr Arnold Stehle zum Kassier (Büchslin-Halter)
Herr Emil Schaefer zum Schreiber (Chronist)
Am Samstag, 2. Januar 1954 fand die erste Zusammenkunft der Bruderschaft nach deren Gründung statt. Diese wurde von einem nicht alltäglichen Vorkommnis begleitet. Durch eine Namensverwechslung bekam unser Bruder Nikolaus von einer namhaften Grossmetzgerei in Basel eine Ochsenzunge zugesandt. Als er den Lieferanten um Aufklärung ersuchte stellte sich heraus, dass das Geschenk für einen Polizisten gedacht war und an die falsche Adresse geschickt wurde. Die Metzgerei zeigte sich grosszügig und beliess dem Beschenkten die Ochsenzunge. Dieser seinerseits stiftete die Zunge der Bruderschaft. Anlässlich dieser ersten Zusammenkunft wurde die Zunge im Spitz mit vielen Zutaten (Poulet etc.) zubereitet und mit Genuss wurde dann am Stammtisch getafelt. Dieses Ereignis wurde als gutes Vorzeichen für die Bruderschaft gewertet.
Die Mitglieder der Bruderschaft organisierten jährliche Reisen zu welcher jedes Mitglied seinen Obolus leistete. Einen Zustupf gab es aus dem „Büchslin“!
Leider endet die Chronik mit der Danksagungskarte zum Hinschied von Herr Walter Senft, August 1980. Danach findet sich kein Eintrag mehr. Die Bruderschaft wurde im Jahre 1980 aufgelöst, da offensichtlich der Mitgliederbestand zu klein war. Junge Gesellschaftsbrüder hatten auch kein Interesse mehr, sich gemäss Satzung jeden Samstag im Café Spitz zu treffen. Man wollte sich offensichtlich nicht so stark an die Bruderschaft binden und wendete sich lieber anderen Dingen zu.
So verschwand eine Bruderschaft, welche enthusiastisch begonnen hatte, nach 27 Jahren aus dem Gesellschaftsleben.
Erwin Hensch
Webmaster Drei Ehrengesellschaften Kleinbasels






