Die Rebhaus Banner
Es ist ausserordentlich bedauerlich, dass in den noch vorhandenen Archivalien der E. Gesellschaft zum Rebhaus keinerlei Notizen über die alten Banner zu finden sind. Eine Ausnahme macht der Vermerk vom Jahre 1788 wo von einer Reparatur die Rede ist, die Schneidermeister Emanuel Schnäbelin ausführen soll. Einige Erwähnungen oder Beschreibungen der Neugeschaffenen Fahnen oder Glasscheiben hätten den Beweis erbringen können wann das Rebhaus die Farben seines Wappens wechselte. Die ursprüngliche Farbe des Schildes war rot, nebst einem weissen Rebmesser, wie es die Glasscheibe in der Theodorskirche von 1480 beweist.
Die in Basel meistens angewandten Farben waren schwarz / weiss. Es waren die Farben der Stadt oder rot / weiss die Farben des Bischofs. Das Rebhaus hat die letzteren gewählt und diese sind richtig.
Wann wurde aber das grüne Schild des Rebhauses eingeführt? Vermutlich geschah dies erst Ende des 16. Jahrhunderts denn im Wappenbuch der Zünfte von Dr. Heinrich Petri aus dem Jahre 1586, sowie im Buch Basler Zunftherrlichkeit von Paul Koelner ist der Schild noch rot in welchem ein weisses Rebmesser mit gelbem Griff eingefügt ist. Es wird vermutet, so in Archivalien erwähnt, dass die Interessengemeinschaft mit der Rebleutenzunft die Ursache ebenfalls einen grünen Schild zu wählen, jedoch mit 5 Rebmessern bestückt während die Rebleutenzunft einen grünen Schild mit dem ein Rebmesser haltenden Wolf führen.
Im Jahre 1930 befand sich in der Requisitenkammer im Café Spitz noch die Hälfte eines alten Banners aus dem 18 Jahrhundert. Dasselbe war aus Seidentaffet mit durchgehendem weissem Kreuz, vier Felder grün und weiss geflammt. Ein Lorbeerkranz, besetzt mit blauen und roten Blumen, umrahmte das Wappen. Auf der Kreuztraverse in gelbem Seidentaffet eingenäht die Jahreszahl 17... (1752)! Die Spitze fehlte. Über die heutige Existenz dieses Fragments ist nicht bekannt. Ob es überhaupt noch existiert wage ich zu bezweifeln.
Auf dem Aquarell von C. Guise, den Umzug der Drei Ehrengesellschaften in der Greifengasse darstellend, kann man auf dem Rebhausbanner die Jahrzahl 1752 lesen. Obwohl auf dem Bild die Farben ausgeblichen sind, ist anzunehmen, dass es sich um das Rebhausbanner handelt da noch ein Teil der Löwenfigur sichtbar ist. Guise war sehr genau in seiner Malerei. Er informierte sich in historischen Dingen sehr genau. Aus diesem Grunde kann angenommen werden dass er das Datum richtig las, umso mehr als zur Entstehung des Bildes (1848) dieses Banner noch im Gebrauch war. Es darf darum angenommen werden, dass das vorgängig erwähnte Fragment dasjenige Banner war, welches auf dem Bild von Guise dargestellt ist. Wo sich nun dieses Fragment befindet ist unbekannt.
Beim Umbau des Mustermessesaales in den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde Alt-Spielchef der Drei Ehrengesellschaften Fille Lehr von der Messe mit der Begründung angerufen, dass beim Räumen der Lokalitäten (Herausreissen der Bühnenbeleuchtung) für den Saalumbau 3 eingerollte Banner der Drei Ehrengesellschaften gefunden wurden. Die alten Seidenfahnen zerfielen bei der Berührung zu Staub. Noch erhalten, aber sehr brüchig waren die Ehrenzeichen Stickereien in der Mitte. Diese wurden sehr sorgfältig auf grosse Kartons ausgelegt und vor jeder weiteren Berührung geschützt. Die Fahnen stammten mit grosser Wahrscheinlichkeit aus dem Jahr 1899. Die erbärmlich lädierten Hären- und Greifenfragmente wurden den damaligen Meistern, der E. Ges. zur Hären und der E. Ges. zum Greifen übergeben. Diese konnten aber wohl kaum etwas damit anfangen. Das am wenigsten beschädigte war das Rebhausfragment. Aber auch dieses bestand, wie ein Puzzle, aus vielen Stofffetzen. Meister Nidecker meinte, er wisse auch nicht, was damit anzufangen sei. So setzte Fille Lehr zunächst die einzelnen Stückchen zusammen und es entstand wieder die Seidenstickerei des Leu mit 5 Rebmessern im Schild. Das Ganze liess er dann sauber aufziehen und unter Glas einrahmen. Das gute alte Stück hing viele Jahre in seinem Haus, bis dann im Jahre 1997 das Rebhaus gekauft wurde. Zur feierlichen Wiedereröffnung des Rebhauses brachte er die "Trouvaille" dorthin, wo sie eigentlich hingehört, ins Rebhaus. Sie ist nun, nochmals professionell restauriert, ein herrlicher Blickfang im ersten Stock im Vorgesetztenzimmer. Was aus den Greifen- und Härenfragmenten geworden ist, ist nicht bekannt. Sie waren, wie gesagt, in mehr als jämmerlichem Zustand.
Im Archiv der Drei Ehrengesellschaften befinden sich Fahnen aus den Jahren 1933, 1961, 1983, 1994 die letzte auf der Fahne datierte Anschaffung geht auf das Jahr 2011 zurück. Es wurden 3 Sätze 3 E Banner angeschafft.1 Satz für die Bannerherren, 1 Satz für den Meriansaal und 1 Satz für die Aussenbeflaggung des Merian-Saals. Im gleichen Jahr wurden die alten Seidenbanner restauriert. Diese Arbeiten wurden von Frau Dr. Sabine Sille, Textilrestauratorin am Historischen Museum Basel ausgeführt. Frau Dr. Sille hat auch schon den alten Vogel Gryff im Klingentalmuseum restauriert.
Erwin Hensch
Webmaster der Drei Ehrengesellschaften Kleinbasels
Fotos: E. Hensch, und Staatsarchiv BS, Signatur Zunftarchiv 3 E A 13