Der Tag eines Ueli am Vogel Gryff


Ueli
Der Vogel-Gryfftag wickelt sich für die Mitglieder des Spiels nach einem genauen ''Tagesbefehl'' des Spielchefs ab. Damit der lange, anstrengende Tag gut überstanden werden kann, legt man sich einen Boden mit einem währschaften z'Morge, bestehend aus: ''suuri Lääberli, Bräägleti und emene Schlugg Wysse''. Punkt 08.45 Uhr erfolgt der Befehl an die Ueli: ''Ueli uff d'Gass'' und damit der Beginn eines rund 14-stündigen Parcours durchs Kleinbasel. Jeder auf seiner, seit Jahren aufgegebenen Route am Vormittag:

Grün/weiss:
Vom Badischen Bahnhof - Mustermesse (Messe Basel) in Richtung Claraplatz.

Rot/weiss:
Richtung Wild-Maa-Horst, via Rheingasse - Grenzacherstrasse - Eisenbahnweg - Horst. Daselbst Sammlung bei den dort anwesenden Gästen, Vorgesetzten und dem Publikum ringsherum. Anschliessend Richtung Eisenbahnbrücke - Wettsteinbrücke, alles dem Rhein entlang.

Blau/weiss:
Novartis/Kleinhüningerstrasse- Klybeckstrasse - Kaserne - Unt. Rheingasse.

Schwarz/weiss:
Er bewegt sich auf seiner Morgentour vor allem in der Kleinbasler Innenstadt, in den Schulhäusern, Grossverteilern und Warenhäusern etc.

Gegen 11 Uhr wird es Zeit die gefüllten Kassen ein erstes Mal zu leeren, was der Kassier des Spiels vornimmt. Im Laufe des Tages findet dies 4-5 Mal statt. Nach 11 Uhr finden wir alle 4 Ueli am Landeplatz des Wild-Maa Flosses, beim Kleinen Klingental, wo die Ehrenzeichen dem vorsitzenden Meister ihre erste Referenz erweisen.

Punkt 12 Uhr findet dann der Tanz auf der Mittleren Brücke statt. Die 4 Ueli begleiten nun bis zum Schluss die Ehrenzeichen auf ihrem Zug durch die Mindere Stadt. Nächste Station ist das Waisenhaus. Der Tanz vor dem Waisenvater ist gewissermassen der Dank für den Einsatz des Waisenhaus-Pfarrers Johann Jakob Spreng, Professor für Deutsche Poesie und Eloquenz an der Uni Basel. Er setzte sich 1755 für die Beibehaltung des Vogel-Gryff Brauches, nach dem kirchlichen Bannstrahl aus St. Theodor, ein.

Nach einer längeren Verschnaufpause in der Mustermesse, folgen zwei Tänze der Ehrenzeichen im grossen Festsaal. Zuerst sammeln die Ueli bei den Vorgesetzten, Gästen und Gesellschaftsbrüdern den bereitgehaltenen Batzen ein. Beim anschliessenden Marsch durch die Strassen Kleinbasels, wird den Vorgesetzten die ihnen zustehende Referenz erwiesen. Zwischendurch erfolgt eine Einkehr an drei Stationen bei einem Vorgesetzten, damit sich die Spielleute etwas erfrischen können.

Ca. 19 Uhr Rückkehr ins Café Spitz. Unter Zuzug der Olympia (Fasnachtsgesellschaft), mit Trommel- und Pfeifenklang und begleitet von den von namhaften Basler Künstlern gestifteten Steckenlaternen, werden die bekanntesten Kleinbasler Gaststätten besucht (zum Greifen + Leuen, als sie noch existierten; altes Warteck, Escale, Rheinfelderhof, Rebhaus, Fischerstube, Volkshaus) Nach 22 Uhr via Rheingasse zurück ins Café Spitz, wo dann der Schlusstanz im Parterre und im Meriansaal stattfindet. Im Beisein von Gattinnen oder Freundinnen, findet dann der Vogel-Gryff in einer weniger hektischen Atmosphäre, seinen Abschluss. Dieser kann sich bis in die Morgenstunden des folgenden Tages hinziehen.

Zum Abschluss noch drei kleine Episoden von Uelis, wie sie sich vor 20-30 Jahren zugetragen haben:
Ein rot/weisser Ueli holte sich den Batzen einmal übers Baugerüst eines höheren Gebäudes. Elegant kletterte der, militärisch bei den Grenadieren angesiedelte, Ueli bis in den 3. Stock, über Leitern und Holzplanken, um bei einem älteren Ehepaar die gespendeten Münzen, fein säuberlich in Zeitungspapier eingepackt, abzuholen.

In den 60er Jahren des 20. Jh. fand in der Turnhalle des Claraschulhauses, die damals nur von Mädchenklassen benutzt wurde, eine Turnstunde unter der ''fachkundigen'' Leitung des schwarz/weissen Uelis statt. Der junge Mann hatte zuvor seine ''suure Läberli'' sehr reichlich mit Weissem begossen.

In den 80er Jahren des 20. Jh. am Tag der Zünfte: Zum Gaudium der Grossbasler, begleiteten alle 4 Ueli den Festzug über die Mittlere Brücke bis auf den Münsterplatz. Die gut gefüllten Uelikassen, liessen Reklamationen seitens der Gesellschafts-Vorgesetzten gleich im Keime ersticken.

Peter Schneider
Alt-Vorgesetzter E.E. Gesellschaft zur Hären