Ein kleines Gotteshaus im Kleinbasel
Die Allerheiligenkapelle im Kleinbasel
Die Allerheiligenkapelle, früher unter dem Namen St. Theodorskapelle bekannt, ein bemerkenswerter zweischiffiger Bau von 1514, anstelle eines früheren Beinhauses erbaut.
In der Kapelle befanden sich zwei Altäre welche im Jahre 1514 in Anwesenheit zahlreicher geistlicher und weltlicher Würdenträger geweiht wurden. Den Stiftern und Besuchern gewährte der Bischof von Basel einen Ablass von 40 Tagen.
Die Kapellenweihung war folgenden Heiligen gewidmet: Mauritius, Fridolin, Germanus, Viacrius, Rochus, Onufrius, Oswald, Apollonia, Dorothea, Apollinarius, Vitus, Modestus, Konrad, Erasmus, Agatha und Agnes.
Die Kappelle war ca.7 Meter breit und ca. 14 Meter lang, also eher klein. Der Innenraum wurde 1858 der Spendenkommission der Drei Ehrengesellschaften als Lagerstelle für 7000 Reisigwellen (Brennholz) für Bedürftige überlassen.
Nach der Reformation diente die kleine Kirche als Totenkapelle wo bis in das Jahr 1836 Mitglieder Kleinbasler Familien ihre letzten Ruhestätten fanden. So zum Beispiel anno 1810 der Rebhausvorgesetzte Niclaus Merian, 1809 Härenvorgesetzter Rudolf Ritter, sowie mehrere andere Gesellschaftsbrüder der Drei Ehrengesellschaften Kleinbasels.
Gemäss Archivalien wird aus dem Jahre 1656 berichtet, dass zwischen den Gräbern ein Siegrist eine Nagelschmiede betrieb. Im 19. Jahrh. habe ein Kirchendiener gemäss Archivalien auf dem Friedhof der Allerheiligenkapelle Gemüse angepflanzt.
Im Jahre 1836 wurde die Kapelle renoviert und der umgebende Friedhof eingeebnet. Der verfallene Innenteil wurde jedoch in seinem verfallenen Zustand belassen. Bei der Einebnung des Friedhofes wurden einige bedeutende Grabsteine an der Aussenmauer der Theodorskirche angebracht. Die Bestattungen fanden seit 1831 bis zum Jahr 1890 auf dem St. Theodorsfriedhof (heute Rosentalanlage) statt. Ende August 1890 fand die letzte Bestattung statt. Ab dem 1. September 1890 wurden die Kleinbasler auf dem Horburgfriedhof (heute Horburgpark) bestattet.
Mit dem Bau der Wettsteinbrücke in den Jahren 1878 bis 1879 und dem dazugehörenden Abriss der Stadtmauer vom Wettsteinplatz zum Rhein wurde auch das Schicksal der Allerheiligenkapelle besiegelt. Bis zum Abriss verging doch einige Zeit. Da sich die Bevölkerung und der Rat uneinig waren wurde durch eine unbekannte Person folgender Spruch an die Südmauer der Kapelle geschrieben:
Wie lang soll ich mein Leben
hier noch fristen,
ruinenhaft dem Fortschritt frech zum Hohn.
Fast wünscht ich mich ins Land der Nihilisten,
um zu verduften per Dynamitpatron.
Gotthard, Stabio, alles kommt zu Ziel und Zweck,
und nur ich allein bleib hier stehen im D..."
Im Jahre 1881 verfügte der Rat den Abriss der Allerheiligenkapelle. Ein letzter Rettungsversuch einer kleinen Gemeinschaft welche die Kapelle als erhaltenswert einstuften blieb ungehört. Sie wollten die Kapelle abbauen und sie auf dem Kannenfeldgottesacker wieder aufbauen. Dieser Vorschlag wurde jedoch abgelehnt und die Kapelle fiel dem Abriss zum Opfer. Am ehemaligen Standort der Kapelle befindet sich heute der Wettsteinbrunnen.
Erwin Hensch
Webmaster der Drei Ehrengesellschaften Kleinbasels
Quellennachweis:
Text: Staatsarchiv BS Sign. B 370, Archiv der 3 E,
Bilder und Fotos: Staatsarchiv BS und Erwin Hensch







