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Das Erdbeben von 1356

Die Stadt in Schutt und Asche

Dieser Bericht ist den, durch das Erdbeben von 1356, ums Leben gekommenen Bürgern der Stadt Basel gewidmet.

Vor 650 Jahren bebte in Basel die Erde. Das Erdbeben war dermassen stark, dass die ganze Region in grösserem Umkreis Zerstörungen aufwies. Einige Jahre zuvor wurde unsere Heimatstadt bereits von diversen Ereignissen und Katastrophen heimgesucht.

Im Jahre 1340 wurde die Rheinbrücke durch Hochwasser zerstört. 9 Jahre später, im Jahre 1349 grassierte in Basel die Pest.

1354 ereilte das Kleinbasel in der zweiten Hälfte des Jahres ein Grossbrand. Laut div. Chroniken verloren dabei etwa 30 Menschen das Leben. Nachdem die ganze Zerstörung bekannt war, befreite Bischof Johann Senn im Frühjahr 1355 die „Mindere Stadt“ für zehn Jahre von den Steuern, weil sonst ein Wiederaufbau des Kleinbasels kaum möglich gewesen wäre.

Nur zwei Jahre später, am „Lukastag“, 18. Oktober 1356, um ca. 16.00 Uhr, erfolgte der erste Erdstoss und der Boden der Stadt begann zu beben. In den Abendstunden erfolgten dann mehrere stärkere Erdstösse. Grosse Teile der linksrheinischen Stadt zerfiel und wurde ein Raub der Flammen. Brände entstanden aufgrund der offenen Feuer in den Häusern. Die Zahl getöteter Bürger der Stadt gehen in verschiedenen Chroniken stark auseinander. Man spricht von 100 bis 1000 Toten. Die damalige Zahl der Einwohner unserer Stadt betrug jedoch ca. 7000. Somit dürfte eine genannte Zahl von 1000 Toten utopisch sein. Realistischer wäre da die Zahl von 100 bis 150 Toten.

Die rechtsrheinische Seite, das Kleinbasel, wurde nicht so stark wie das Grossbasel in Mitleidenschaft gezogen. Obwohl auch hier Einiges an Bauten zerstört wurde. So wird die Kirche zu St. Clara, die Niklauskapelle an der Rheingasse und die Theodorskirche als Erdbebengeschädigt gemeldet. Doch in diesen Schriften geht nicht klar hervor, ob die Schäden beim Brand anno 1354 oder beim Erdbeben zwei Jahre später entstanden sind.

Eine Überlieferung um das Jahr 1400 besagt, das die Theodorskirche sowie die St. Niklauskapelle am Kleinbasler Brückenkopf stark im Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Wiederaufbau der Theodorskirche zog sich über 10 Jahre hin. Ebenso wurden die Häuser, welche zur damaliegen Zeit mit viel Holz gebaut wurden, stark beschädigt. Über eine Opferzahl im Kleinbasel sind keine Angaben zu finden. Zudem sind nur dürftige Aufzeichnungen über Schäden in der „Kleinen Stadt“ überliefert.

Nachdem in der Stadt ein Brand ausgebrochen war eilten die geflüchteten Bürger wieder in die Stadt zurück um gegen das Inferno zu kämpfen. Jedoch wurden mehrere Personen von zusammenfallenden Häusern erschlagen oder verschüttet. Erneut flüchteten die Bewohner bei weiteren Erdstössen wiederum vor die Stadt. Der Brand im Gross- sowie im Kleinbassel dauerte mehrere Tage.

Die Stadtbefestigung im Kleinbasel, welche zur damaligen Zeit noch nicht so ausgebaut war wie in den nachfolgenden Jahrhunderten, wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Dem Aufbau der Wehranlagen galt nach dem Erdbeben ein besonderes Augenmerk. Waren doch die damaligen Zeiten nicht so sicher. Im Kleinbasel wurden für das „untere Tor“ später „Bläsitor“ die Steine zur Reparatur von Istein hergeholt. Aus diesem Grunde wurde in der ersten Zeit nach dem Aufbau das betreffende Tor auch „Isteinertor“ genannt.

Das Erdbeben hatte in der Region von Basel ebenfalls starke Schäden angerichtet. So wurden z. B. über 30 Burgen, Schlösser und Dörfer zerstört. Beim Erdbeben sind nahezu alle Akten und Aufzeichnungen des Rates zerstört worden, aus diesem Grunde begann man wieder mit den Aufzeichnungen. Im ersten Buch des Rates, dem sogenannten „roten Buch“ kann folgendes nachgelesen werden:
"Man soll wissen, dass diese Stadt von dem Erdbeben zerstört und zerbrochen ward und blieb keine Kirche, Turm noch steinen Haus, weder in der Stadt noch in den Vorstädten, ganz... ". Auch fiel der Burggraben an vielen Stellen ein. Und fieng das Erdbeben an.., an Sankt Lukas Tag des Evangelisten... . Und währte das Jahr hindurch, und kam bisweilen gross und bisweilen klein, und desselben Dienstags, als es anfieng, da ging Feuer in der Nacht, und währte das wohl acht Tage, dass ihm zu widerstehen vor dem Erdbeben niemand sich getraute noch mochte, und es verbrannte die Stadt innert der Ringmauer beinahe völlig."

Da die Drei Ehrengesellschaften Kleinbasels, Rebhaus, Hären und zum Baum (später Greifen) vermutlich älter sind als es die Schriften dokumentieren, kann mit Sicherheit angenommen werden, dass nach dem Erdbeben für die 3 Gesellschaften einiges an Arbeit wartete. Lagen doch die sozialen Arbeiten sowie der Polizeidienst und die Sicherheit der Bevölkerung in ihren Händen. Und musste als oberstes Gebot angesehen werden. Leider sind darüber keine Aufzeichnungen vorhanden. Die Schrecken dieser Katastrophennacht erstreckten sich einerseits in das Elsass bis Strassburg andererseits bis nach Bern und Yverdon. In Bern wurde das Gewölbe der St. Vinzenz-Kirche dermassen erschüttert, dass es einstürzte. Der Glockenturm stürzte bis zur Hälfte ein. Gegen Osten wurde das Erdbeben ebenfalls in Schaffhausen wahrgenommen. Die grössten Schäden richtete das Erdbeben jedoch nur in Basel und der Umgebung an. So heisst es in Schriften, dass viele Kirchen in der Umgebung einstürzten. Zwischen Basel und Neuenburg am Rhein alle ohne Ausnahme. Ebenso wird erzählt, dass die Stadt Liestal zerfallen sei, samt dem Schlosse und den Ringmauern.Gut kam es der Stadt zustatten, dass nicht ein boshafter Feind die hilflose Lage ausnutzte und die Stadt erstürmte und sie vollends zu Grunde richtete.

Dies wäre beinahe geschehen. Damals war Basel in Feindschaft mit Herzog Albrecht von Österreich. Kurz vor dem Erdbeben schloss er jedoch mit Zürich und den anderen Kantonen einen Waffenstillstand. Der Zeitpunkt wäre günstig gewesen mit Basel abzurechnen und an der Stadt Rache zu nehmen, da er durch den Waffenstillstand keinen Feind im Rücken wusste. Einige in seinem Rate wollten die Stadt angreifen, da die Natur Tür und Tor für einen Angriff geöffnet hatte. Der Herzog erwiederte jedoch: „ Da sei Gott vor, dass Albrecht von Österreich die tödte,welche der göttliche Arm verwundet hat!“ Vielmehr sandte er alsbald vierhundert Männer vom Schwarzwald, welche auf seine Kosten den Bürgern von Basel beim Aufbau helfen sollten.

Erschreckend war für die Bürger unserer Stadt sicher, als am 1. Mai 1357 die benachbarte Stadt Strassburg von einem starken Erdstoss erschüttert wurde. Auch Basel erzitterte, jedoch mussten keine schweren Schäden verzeichnet werden.

Das Grossbasel wie das Kleinbasel wurden von den Bürgern wieder aufgebaut. Und beide Städte erreichten Wohlstand. Besonders nach der Vereinigung im Jahre 1392.

Übrigens wurde der Gedanke das fünfhundertjährige Jubiläum der Vereinigung von Gross- und Kleinbasel im Jahre 1892 festlich zubegehen, im Jahre 1890 am „Gryffe-Mähli“ durch Herrn Prof. Hans Heussler, Ehrengast, ausgesprochen.

Erwin Hensch
Webmaster der Drei Ehrengesellschaften Kleinbasels

Quellennachweis:
Rudolf Suter, Basel und das Erdbeben von 1356, 1956, Buchdruckerei zum Basler Berichthaus AG;
Emil Major, Bauten und Bilder aus Basels Kulturgeschichte, 1986, Verlag Peter Heman Basel, Seite 53; René Teuteberg, Basler Geschichte, 2.Auflage 1988, Christoph Merian Verlag, Seiten 150 bis 153
Fritz Meier, Basler Heimatgeschichte, 5.Auflage 1974, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Seiten 90 bis 95Neujahrsblatt Nr. 19 /1841, Die „Zeiten des grossen Erdbebens