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Die Niklauskapelle im Kleinbasel

Kleinbasler Richthaus und dem alten Gesellschaftshaus der Ehrengesellschaft zur Hären. Da die Kirche St. Theodor damals ausserhalb der Stadtmauer lag, drängte sich der Bau eines Gotteshauses innerhalb der Stadtmauern Kleinbasels auf. Die Bürger Kleinbasels weigerten sich zusehends ausserhalb der Stadtmauern den Gottesdienst zu besuchen. Lieber gingen sie über die Brücke nach St. Martin zum Gottesdienst. Aufgrund dessen entschloss man sich eine Kapelle innerhalb der Mauern Kleinbasels zu errichten. Bereits schon zu Beginn bezeichnete man das Verhältnis der beiden Gotteshäuser als Mutter und Tochter. St. Niklaus war die Filiale von St. Theodor und behielt diesen Charakter durch das ganze Mittelalter hindurch bei. In den ersten Jahrzehnten hatte die St. Niklauskapelle keinen eigenen Priester, sondern die Seelsorge wurde durch einen Geistlichen von St. Theodor versehen. Auf der ältesten bildlichen Darstellung der Stadt Basel, um das 13 Jahrhundert, ist die St. Niklauskapelle beim Brückenkopf auf der Seite Kleinbasels zu sehen.

Vor der Kapelle leisteten die Kleinbasler ihren jährlichen Eid. Es wurden Rechtsgeschäfte abgewickelt, Markt gehalten und vor der Kapelle versammelten sich auch die Wachtmannschaften. In der Überlieferung wurde die Grösse der Kapelle mit einer Länge von 82 Fuss (ca. 24.6 m), Breite 36 Fuss (ca. 10,8 m) und ihre Höhe 26 Fuss ( ca. 7.8 m) angegeben.

In den ersten Jahrzehnten hatte die St. Niklauskapelle keinen eigenen Priester, sondern die Seelsorge wurde durch die Geistlichen von St. Theodor versehen. Erst im Jahre 1318 wurde durch den Kupferschmied Johann von Freiburg eine Priesterpfründe in St. Niklaus gestiftet, mit der Auflage, dass sich dieser Kaplan weder der Krankenpflege noch dem Beichthören widmen dürfe und einzig den Altardienst zu versehen habe. Er sollte den Pfarrer von St. Theodor immer als seinen Herrn und „Oberen“ ansehen.

Zu dieser ersten Kaplanei kamen im Laufe der Zeit noch weitere Pfründe hinzu. So um das Jahr 1420 eine Pfründe am St. Niklausaltar durch Stiftung der E. Gesellschaften zur Hären und zum Baum (später Gesellschaft zum Greifen genannt). In der Kapelle standen Altäre des „hl. Niklaus“; des „hl. Erhard“, des „hl. Jodocus“, „unserer lieben Frau“, der „hl. Barbara“ und des„hl. Hieronymus“. Der letztgenannte Altar wurde am Hieronymustag 1377 durch den Weihbischof von Konstanz geweiht.

Nach 1300 jedoch vor 1303 muss eine Erneuerung der Kapelle stattgefunden haben. Sie wurde im Jahre 1303 neu geweiht und zwar in der Ehre der „drei Einigkeit“, „unserer lieben Frau“, der „hl. Peter und Paul“, des „hl. Niklaus“, des „hl. Martin“, des „hl. Egidius,des „hl. Erhard“, des „hl. Christopherus“, des „hl. Erasmus“, des „hl. Laurencius“, der „10'000 Ritter“, der „11'000 Jungfrauen“ und „Aller Heiligen“. Ihr Kirchweihtag war der 1. Mai.

Auf dem Bild 2 ist der Kleinbasler Brückenkopf zu sehen. Die St. Niklauskapelle ist am rechten Bildrand teilweise zu erkennen. Sie stösst mit der westlichen Giebelwand an das damalige Richthaus.
Den Besuchern und Wohltätern der Kapelle wurde Ablass verheissen. Im Jubeljahr 1300 durch mehrere italienische Erzbischöfe undBischöfe und im Jahre 1477 durch den päpstlichen Nuntius Alexander, Bischof von Forli.

Einige Stiftungen mögen hier erwähnt sein. Diejenige von der Witwe Anna Riechembergin 1491 ( mit der Auflage jeden Samstag früh eine Messe auf St. Niklaus zu lesen) und diejenige von Hans Binninger (dass vor dem Altar "Unserer Lieben Frau" durch einen Priester und den Schulmeister zu St. Theodor mit dessen Schülern an bestimmten Tagen des Jahres im ganzen 119 "Salve Maria" gesungen werden sollen). 1481 bestätigte Bischof Otto von Konstanz die von Klerus und Volk von "Minder-Basel" getroffene Einrichtung wonach an den Tagen der Fastenzeit, an den Samstagen und an den Vorabenden der Marienfeste in der St. Niklauskapelle das "Salve regina" oder "Celi regina" gesungen werde. Wer am Gesange mitmachte und je dreimal den "englischen Gruss" und das „Paternoster" betete erhielt einen Sündenablass.

Über die äussere Erscheinung der Kapelle geben nur späte Abbildungen eine allgemeine Auskunft. Sie stand mit der einen Längsseite an der Rheingasse, ihr Giebel schaute gegen den Brückenkopf. 1436 wurde vom alten Werkmeister Peter "hier ein Orlei" (Räderuhrwerk) gebaut und die Glocke in eine Zeitglocke umgewandelt.

Mit der Reformation erloschen die Kerzen zu St. Niklaus. 1529 wurde dort der letzte Gottesdienst gehalten. Nur widerstrebend lieferte Kleinbasel bei der Reformation die Bilder und Zierden der Niklauskapelle aus.

Nach der Reformation diente die Kapelle lange als Salzmagazin. 1803 wurde das Lokal an die Herren Burckhardt - Ryhner und Frischmann Sohn zur Einrichtung einer Reitschule vermietet und behielt diese Verwendung bis 1813. Im gleichen Jahr wurde sie versteigert. Ersteigerer war Herr Ludwig Jselin zu „drei Königen“. Später gehörte die Kapelle als Stallung und Remise zum Gasthof "weisses Kreuz".

Eine Änderung der Verhältnisse trat 1857 in der Weise ein, dass die drei vereinigten Gesellschaften E. Gesellschaft zur Hären, E. Gesellschaft zum Rebhaus und E. Gesellschaft zum Greifen die Errichtung eines Neubaus neben ihrem bestehenden Gesellschaftshaus beschlossen. Zu diesem Neubau diente das Areal der alten St. Niklauskapelle, in welchem diese vom "Weisskreuzwirt" Tauschweise gegen das Gesellschaftshaus zur Hären erworben wurde. An Stelle des letzteren zusammen mit dem alten weissen Kreuz erhob sich in der Folge der Neubau dieses Gasthofes neben dem neuen Gesellschaftshaus. Die Kapelle wurde abgerissen. Die Erweiterung des späteren "Café Spitz" erforderte 1857 die Beseitigung des dreiteiligen mittelalterlichen Gesellschaftshauses samt dem Überrest der massiven Ringmauer, welche sich einst längs des Rheins bis zum Turm beim Waisenhaus hingezogen hatte.

Mit der Niklauskapelle verbunden war seit altersher "Das grosse Almosen von St. Nicolaus", "Almosen im minderen Basel" welchesauch "Das Almosen ennet Rhins" oder "Die Spend im Kleinbasel" genannt wurde. Das Almosen stand von Anfang an nicht unter der Verwaltung der Kirche. Sondern unter der Aufsicht von drei Pflegern, von welchen 2 dem Rat angehörten, während der 3. aus der Bürgerschaft, sprich Ehrengesellschaften gewählt wurde. Da die Meister der Ehrengesellschaften ebenfalls dem Rat angehörten, könnten auch alle 3 aus den Gesellschaften hervorgegangen sein. Je nach Wahl der Person. Im Sinne des gutherzigen mildtätigen Heiligen, dessen Namen die Kapelle trug, verteilten sie am Festtag des Heiligen und an anderen Anlässen des Kirchenjahres Spenden an die bedürftige Bevölkerung. Das beträchtliche Vermögen dieses "grossen Almosens von St. Nicolaus" wurde unter anderem beim Rat der Stadt gewinnbringend angelegt. Mit der Reformation ging die "Spend im Kleinbasel" an die allgemeine städtische Armenpflege, die sich fortan der "frommen, ehrbaren, hausarmen Leute" der Bürgerschaft diesseits und jenseits des Rheins annahm.

Erwin Hensch
Webmaster 3 Ehrengesellschaften Kleinbasels

Quellennachweis: Historisches Festbuch, "geschichtliche Topographie von Kleinbasel", von Rudolf
Wackernagel, Staatsarchiv Basel-Stadt. "Basel anno dazumal", von Eugen A.
Meier. Aufzeichnungen von G.A. Wanner.
Bildernachweis: Härenhaus und Niklauskapelle aus dem Buch "Zunft- und Gesellschaftshäuser der
Stadt Basel" von R. Schiess, Heimatschutz Basel, Aquarell von J.J. Neuschütz 1857. Ältestes Bild von Basel nach einem Gemälde von J.R. Huber