Das Kleinbasler Richthaus
Das Richthaus am Brückenkopf
Bis zum Zusammenschluss mit Grossbasel im Jahre 1392 bildete das Kleinbasel eine selbständige Stadtgemeinde, welche am Brückenkopf seit 1289 ein eigenes Rathaus besass. Im Jahre 1392 wurde der Rat im Grossbasel ansässig und das Rathaus verlor seine Bestimmung. Das Rathaus bekam eine neue Bestimmung und wurde zum Richthaus. Es stand dem Schultheissengericht, dem Flurgericht, der Rheininspektion und dem Wachtkollegium zur Verfügung. Ebenso wurden am Schwörtag die Eide im Richthaus abgelegt.
Das Richthaus:
Das älteste Rathaus Kleinbasels stand jedoch nicht bei der Brücke, sondern an der Ecke der heutigen Greifengasse und unterer Rheingasse. Das Haus trug später den Namen "zem witen Keller". Im Jahre 1289 erfolgte dann die Verlegung des Rathauses an den Kleinbasler Brückenkopf heutiges Café Spitz. Im Jahre 1311 wird das Haus "zem witen Keller" das alte Rathaus genannt. Aber noch in den Jahren 1338, 1339 und 1344 erscheint in den Archivalien die Benennung "des Rates Hus". Ob mit dieser Benennung nur das Eigentumsverhältnis des Hauses oder aber die Art seiner Verwendung bezeichnet war, ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen.
Das Richthaus bei der Rheinbrücke ist jedenfalls in der frühen Zeit klein gewesen und erst allmählich zu der Gestalt gekommen, welche es später hatte. 1328 und 1399 werden Haus und Hofstatt zwischen des "Rates Hus" und Conrad von Hennenbergs Haus erwähnt. 1451 stösst das Haus vom "Klein-Basler" Schultheissen Hans Ulrich von Wildeck bei der St. Niklauskapelle an das Rathaus.
All diese Liegenschaften sind später in das Richthaus integriert worden. Dieses grenzte später ausser an die Brücke, die Strasse und das Rheinufer nur an die St. Niklauskapelle.
Pfarrer Huber schreibt 1792 in seinem "Statutarium Basiliense" folgendes über das Richthaus, Zitat:
"Der untere Teil des Hauses dient zu den Eidesleistungen der Bürgerschaft des minderen Basels und der "Hintersassen" (Zuzüger) die in der kleinen Stadt wohnen. Im oberen Teil sind die Zimmer (Gerichtsstube, Dankstube (Beratungszimmer des Gerichts)wo dasStadtgericht, das Flurgericht und das Quartier der minderen Stadt ihre Sessiones und Gebotte halten. Auf diesem Hause hat auch der erste Amtmann des Stadtgerichts im minderen Basel seine Wohnung. Gleichfalls hat die Bürgerwacht der kleinen Stadt in desem Hause sein "corps de garde" oder die Wachtstube".
"Auf dem Türmlein befindet sich ein Stüblein für den Turnbläser dessen Pflicht ist, des Nachts die Stunden anzuzeigen und bey entstehenden Bränden das Lärmzeichen zu geben und zu stürmen".
"Auf dem Richthaus jenseits befindet sich eine Gefangenschaft, der St. Niklausthurm genannt, inwelche das Gericht jenseits und der Schultheiss der minderen Stadt Fehlbare ein zu setzen Gewalt hat. 1634 Amtmann Finck wird wegen Ungehorsam und ausgestossenen unverantwortlichen reden in diese Gefangenschaft erkannt; da er aber sich widersetzte und den Degen zuckte, wird er in Wasserthurm gesetzt 1650 Amtmann Scherb wird wegen Trunkenheit und Händeln mit seinem Collega für 2 Tage in St. Niklausthurm gelegt".
In diesem Gefängnisse, das kurzweg St. Klaus hiess, wurden ausser den Fehlbaren aus Klein-Basel auch diejenigen aus den Gemeinden Riehen, Bettingen und Klein-Hüningen, die zu weiteren Verfahren in die Stadt verbracht wurden, einstweilen untergebracht.
Hinsichtlich der jährlichen Eidesleistungen der Bürgerschaft Klein-Basels ist zu bemerken, dass dieselben im 15. Jahrh. in der St. Niklauskapelle durchgeführt wurden. Im 16. Jahrh. aber getrennt in den Gesellschaftshäusern der Drei Ehrengesellschaften abgehalten wurden. Später vollzog sich diese Feierlichkeit im Richthause.
Pfarrer Huber schildert diesen Vorgang wie folgt:
"Schwörtag der Bürgerschaft der minderen Stadt. Dieser fällt immer 8 Tage nach dem Schwörtag der Bürgerschaft der mehrern Stadt, hiemit auf den zweyten Sonntag nach der Einführung E.E. Regiments. An selbigen Sonntag begiebt sich der neue Herr Oberstzunft-meister oder sein Stellvertreter Morgens um 7 Uhr in Begleit des Rahtschreibers und noch eines Kanzlisten, wie auch sämtlicher obrigkeitlicher Bedienten nach der minderen Stadt, allwo die sämtlichen Angehörigen der Drey E. Gesellschaften im Richthause versammelt werden. Der Schultheis der minderen Stadt, begleitet von den Räthen und Vorgesetzten der Drey E. Gesellschaften, gehet dem Herrn Oberstzunftmeister oder seinem Stathalter bis zur Capelle auf der Rheinbrücke entgegen und holt denselben ein. Im Richthause hält der Herr Oberstzunftmeister eine Anrede an die daselbst versammelte E. Bürgerschaft, eröffnet die Ursache seines Daseyns und fordert zu Handen Unserer Gnädigen Herren odet der erste Oberstmeister erwiedert die Anrede des Herrn Oberstzunftmeisters mit einer Gegenrede und llig sey, den Jahr-Eid zu schwören, welcher auch wirklich hieraus derselben vorgelesen und vonihren beschworen wird. Nach geleistetem Eide zieht der Herr Oberstzunftmeister mit seinem Gefolge in Begleit des Schultheissen, der Räte und der Vorgesetzten der Drey Gesell-schaften nach der Kirche bey St. Theodor, allwo ebenfalls eine auf die vorgenommene Handlung gerichtete Predigt gehalten wird".
1540 wurde die Kriegsmusterung der Klein-Basler Hintersassen auf dem Richthaus vorgenommen.
1803 diente das Richthaus dem neu errichteten Zivilgericht der minderen Stadt bis zu dessen Aufhebung im Jahre 1821. 1831 wurde das Katasterbüro eingerichtet.
Im Mai 1835 stellten die Drei Gesellschaften Klein-Basels das Ansuchen um käufliche Abtretung des Richthauses. Nach längeren Verhandlungen kam am 2. Juni 1836 der Kauf zustande. Das Richthaus und das Bruckhaus wurden für Fr. 12’000.-- an die Gesellschaften verkauft. Die Käufer verpflichteten sich zur Erstellung eines neuen der Stadt zur Zierde gereichenden Gebäudes. Hinsichtlich Wachtstube, Spritzenlokal für die Feuerwehr, ein Raum für die Werkzeuge des Bruckknechtes, Stadtuhr und Zugang zu derselben wurden Vorbehalte gemacht. Der durch Abbruch des Bruckhauses frei gewordene Raum neben der Brücke soll zu einer Terasse gemacht und als öffentlicher Platz behandelt werden.
Das Bruckhaus:
Das Bruckhaus stand neben der Brücke und vor dem Richthaus auf freistehenden Pfeilern über dem Rheinbord. Darin wohnte der Bruckknecht, später Brückenaufseher genannt. Es diente als Lager von Werkzeugen und anderen Materialien für den Brückenunterhalt.
Erwin Hensch
Webmaster der 3 Ehrengesellschaften Kleinbaselsel
Quellennachweis: Historisches Festbuch, 1892, Topographie Kleinbasel, von Rud. Wackernagel


