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„Die mindere Stadt im Banne des Leu“

Am morge frie am finfi, sin d’Stroose no ganz lär,
die Stadt die duet no schloofe, si draimt no tief und schwär.
Es isch no alles dunkel, kai Mensch isch uff de Bai,
doch d Vorfraid isch scho z’spiire, bi jedem grad dehai.

Und tatsächlich begaben sich die „Frühaufsteher“ der Gesellschaften bereits in noch dunkler Nacht zum Wild-Maa-Horst um das Floss für die Talfahrt des Wilden Mannes zu bauen. Ohne einen einzigen Nagel wurde das Floss zusammen gebaut und mit Seilen verknotet.

Die Erschte kemme use, de seesch si uff dr Strooss,
si mache sich uff d Sogge und baue denne s' Flooss

Der Horstverwalter und seine Frau waren auch schon fleissig an der Arbeit, erwarteten sie doch vor der Talfahrt des Wilden Mannes noch viele prominente Gäste aus Wirtschaft und Politik. Was natürlich ein enormes Mass an Arbeit voraussetzte.

Einzelne Gesellschaftsbrüder und natürlich auch den Spielchef besuchten in den letzten Stunden vor der Talfahrt den Horstverwalter. Der Spielchef um die Arbeiten am Floss und die Vorbereitungen zu überprüfen, die Übrigen um dem Horstverwalter alles Gute und ein gutes Gelingen des Tages zu wünschen.

Später am Morgen sah man vereinzelt und dann immer mehr dunkel gekleidete Männer im Kleinbasel. Sie begaben sich zum traditionellen „Läberliässe“. Sei es als offizieller geladener Gast im Gesellschaftshaus Hotel Merian „Spitz“ oder in einem der übrigen Restaurants im Kleinbasel. Auch auf privater Seite trafen sich Gesellschaftsbrüder an manchen Orten auf spezielle Einladung, zu einer „Stubete“.

Wie in den vergangenen Jahren eröffnete um 10:00 Uhr, der 3 E Chor im Alters -und Pflegeheim „zum Lamm“(Silberbergsaal) für die Öffentlichkeit den Vogel Gryff-Tag mit einem kleinen Konzert. Es ist jeweils eine perfekte Einstimmung auf den bevorstehenden Tag.

Am Horscht isch alles fertig, au s’Flooss schwimmt uff em Rhy,
dä Daag dä ka jetzt aafoo, es kennt nit scheener sy.
Vom mindre Basel d’Kinder, die warte uff e Schnääg,
und kuum hänn si en gässe, isch’s Floos scho wider wäg.

Je nach Wasserstand legte der Wilde Mann mit seinem Floss beim Wild Maa Horst auf dem Rhein ab und landete dann um 11:00 Uhr beim Klingental. Der erste Tanz des Spiels galt dem Vorsitzenden Meister derE. Gesellschaft zum Rebhaus, Herr Dr. R. Grüninger.

Bym Klingeli wird gwartet, dass dr Wild Ma ändlig kunnt
und kuum isch är dert glandet, denn goot’s denn aber Rund.
No danze vor de Maischter, und uff dr Mittlere Brugg,
denn kemme si ganz rassig, zem Kaffi Spitz grad zrugg.

Danach setzte das Spiel seinen Umgang mit diversen Tänzen vor den übrigen 2 Meister der Gesellschaften zur Häre und zum Greifen und den weiteren Vorgesetzten der Gesellschaften fort.

Punkt 12:00 Uhr tanzten die 3 Ehrenzeichen, Leu, Wild Maa und Vogel Gryff vor dem Spielchef auf der Mittleren Brücke beim „Käppelijoch“ just an der Grenze zwischen Kleinbasel und Grossbasel, um nach dem Tanz ihren Umgang in der „minderen“ (kleinen) Stadt fortzusetzen.

Um 11:30 Uhr trafen sich die Gesellschaftsbrüder im Meriansaal des „Spitz“ zum Apéro. Um 12:00 Uhr zog die illustere Gesellschaft in den grossen Festsaal der Messe Schweiz und dies vermutlich das letzte Mal, da für die nächsten Jahre der Grossumbau der Messe ansteht.

Vo dert us duet den starte, e dunggli Herreschaar
zem Gryffe-Mähli aane, mir find’es wunderbar,
Jä d’ Banner und denn d’ Clique, die geen em Zug voraa,
denn kunnt dr stolzi Maischterund Gsellschaft hinde dra.

Pünktlich um 13:00 Uhr öffneten sich die Saaltüren und die Ehrengäste und Vorgesetzten angeführt von den drei Meistern, betraten den Festsaal unter den Klängen des Heinrichs-Marsches, dargeboten von der 3 E Clique, und dem Applaus der versammelten Gesellschaftsbrüder. Der Vorsitzende Rebhausmeister Dr. R. Grüninger begrüsste die versammelten Gesellschaftsbrüder und eröffnete das traditionelle Gryffemähli 2011.

Dr Lai dä duet hit danze, er zeigt was är denn ka
dr Lai dä duet hit danze, mit Gryff und Wilde Ma,
si danze bis in Obe, es isch e groosse Gnuss
denn hytte isch, jo lang no nit Schluss!

Als erster Auftritt konnte man den 3 E Chor geniessen, welcher mit den Liedern „Die Klage“, Die Rose von Burgund“ und „Bajazzo“ brillierte. Als viertes Lied bot der Chor mit der Erstaufführung des Liedes „Dr Lai dä duet hit danze“ ein weiterer Höhepunkt. Er wurde vom ehemaligen Härenbruder Urs Hoechle am Flügel bestens begleitet.

Es folgte die Meisterrede. Der Vorsitzende Rebhausmeister Dr. Rudolf Grüninger beschritt neue Wege. Er begab sich bis in das Jahr 1347 zurück, als Basel und grosse Teile von Europa durch den schwarzen Tod (Pest) heimgesucht wurden. Er verglich die vergangene Zeit mit der Heutigen und legte dar, dass es uns im Vergleich zu damals recht gut gehe. Schwere Zeiten kann man jedoch mit Zivilcourage und mutigen Vorangehen meistern und bewältigen. Beim näher Betrachten der Worte des Vorsitzenden Meisters kam jedoch die Erkenntnis, dass die Menschlichkeit nicht gleichgesetzt werden kann mit dem Verhalten einiger Mitglieder unserer Weltgemeinschaft. Unser heutiges Verhalten ist stark von Bequemlichkeit geprägt. So nach dem St. Florianprinzip: „Heiliger St. Florian verschone unser Haus, zünd lieber andere an“.

Nach der Meisterrede wurde bei abgedunkeltem Saal und dumpfen Trommelklängen an die im vergangenen Jahr Verstorbenen der drei Gesellschaften gedacht.

Es folgte der Auftritt des 3 E Spiels im Saal. Nach einer perfekten Tagwache der drei Spieltambouren betraten die Ehrenzeichen den Festsaal. Die Tänze waren wiederum ein Höhepunkt des Gryffemähli. Besonders der Tanz des Vogel Gryff wurde beobachtet. Tanzte doch der Darsteller der Figur am diesjährigen Vogel Gryff zum ersten Mal.

Nach dem Hauptgang folgte die Rede des ersten Ehrengastes, Herr Jean-René Germanier, diesjähriger Nationalratspräsident. Seine humorvolle Rede im charmanten „Welschschweizer Akzent“ fand volle Zustimmung im Saal. Er bestätigte, dass der Brauch des Vogel Gryff einen unauslöschlichen Eindruck bei ihm hinterlassen hat. Mit Witz spickte er seine Rede. Er bemerkte dass sein Heimatkanton Wallis sowie der Kanton Basel-Stadt Grenzkantone sind und am Rande der Schweiz liegen. Also sind die Bewohner sozusagen „transpirateurs extérieur“. Zu Deutsch „Aussenschwitzer“. Mit grossem Applaus wurde die Rede im Saal verdankt.

Es folgte danach wiederum ein Vortrag der 3 E Clique.

Danach richtete Herr Dr. jur. Severin Schwan, CEO der Firma Hoffmann –La Roche, eine Grussadresse an die Gäste und Gesellschaftsbrüder. In seiner Rede brachte er die Firma Roche den Anwesenden näher und streifte auch das Thema des vorgesehenen Roche Turmes an der Grenzacherstrasse. Er bestätigte auch, dass die Firma auch in Zukunft am Standort Basel festhalten werde, was ein wichtiger Punkt für die Wirtschaft Basels bedeutet. Auch seine rede wurde mit grossem Applaus gewürdigt.

Nach einer Pause wurden dann die neuen Gesellschaftsbrüder aufgenommen. Zuvor jedoch wurden die Jubilare geehrt und mit einer Wappenscheibe beschenkt. Folgende Gesellschaftsbrüder konnten auf 40 Jahre Mitgliedschaft zurück blicken:

Folgende Gesellschaftsbrüder konnten auf 40 Jahre Mitgliedschaft zurück blicken:

E. Gesellschaft zum Rebhaus:
Die Herren: Ernst Jossi und Herr Niggi Zeindler

E. Gesellschaft zur Häre:
Herr Toni Bagutti

E Gesellschaft zum Greifen
Die Herren: Charles Bula, Dr. Felix Eymann, Karl Hürlimann, Ruedi Bossert und Raymond Albiez

Dann wurden die neuen Gesellschaftsbrüder aufgenommen.

Aufnahmen in die Drei Ehrengesellschaften:

E. Gesellschaft zum Rebhaus:
Roman Brander, Simon Honegger, Adrian Martin,Christian Ruiz, Nicola Schmieder, Nicola und Ralph Spring

E. Gesellschaft zur Hären:
Daniel Ineichen, Lukas Müller und Marco Zerbini

E. Gesellschaft zum Greifen:
Carl Münzer und Roland Soland

Nach dem Service des Desserts trat der legendäre Basler Rapper Urs Baur, alias „Black Tiger“, auf. Mit seinem Auftritt aktivierte er die im Saal anwesenden Gäste und Gesellschaftsbrüder welche begeistert mitmachten.

Mit dem Saggodo und Wettsteinmarsch ging das Gryffemähli 2011 langsam zu Ende.

An dieser Stelle sei den Vorgesetzten der E. Gesellschaft zum Rebhaus und besonders dem Statthalter, Dr. C. Beranek, welcher durch das Programm führte und den Ablauf des Kleinbasler Ehrentages für die Gesellschaften organisierte herzlich verdankt.

Verstext: Walter Weisshaupt, Dirigent des 3 E Chors
Text und Bilder: Erwin Hensch, Webmaster der 3 Ehrengesellschaften Kleinbasels