Meisterrede des Vorsitzenden Meisters E.E. zum Rebhaus, Dr. Rudolf Grüninger, anlässlich des Gryffe-Mähli 2011

Aigedlig goht’s is guet!

Im Joor 1349 isch dr schwarz Tod, d Pest iber Basel inebroche. Die schauderhafti Pandemie, um e modärn Wort z bruuche, het vo 1347 aa fir ganzi säx Joor in ganz Europa gwietet, und si het ebbe 25 Millione Todesopfer gforderet, was ebbe emene Drittel vo dr domoolige Bevölkerig entspricht.
Dr wichtigscht Zytzüg vo däre verheerende Katastrophe, dr Giovanni Boccaccio, het syni Erläbnis in Floränz, wo tel-quel uf Basel übertragbar sinn, yydrucksvoll in syner Novällesammlig „Decamerone“ beschribe: So haig, wär dur d Stadt gange sig, iberall massehaft Lyche umelige gseh. Me haig si, mängmool z’zwait oder z’dritt, uf e Tragbahre oder, wil’s vyyl zweni drvo gha het, uf Brätter glegt, gschwind drvodrait und schleunigst entsorgt. Nit sälte seye uf dr glyyche Totebahre d’Lyche voneme Maa und syner Frau, vo zwai, drei Gschwischter oder vomene Babbe mit syne Kinder glääge…Bsunders schlimm aber muess gsy si, wie unmenschlig d’Lyt no-n-em Usbruch vo däre Sichi mitenander umgange sinn: Nit numme haig dr aint Bürger dr ander gmide, haig kai Nochber fir dr ander gluegt, sondere haige-n-au Verwandti nyt me vo-n-enander wisse welle. D Höll uf Ärde haig, so dr Boccaccio, e-n-aigedligi Verwirrig in de Kepf und de Härze vo de Mensche gstiftet, so ass dr Brueder sy Brueder, dr Unggle sy Növö, d Schwester ihre Brueder und mängmool au d Frau ihre Ehmaa und umgekehrt angschtvoll verloh haige, oder, was doch fascht unglaublig erschiint, Vätere und Miettere haige sich us Angscht vor Asteckig nit emool meh um ihri Kinder kimmeret, als seye si nit ihr aiget Flaisch und Bluet. Wie-n-e andere Zytgnoss brichtet, haigs andersyts aber au sottigi gä, wo regelrächt usgflippt sige und ejedi Minute vo ihrem vermuetlig numme no kurze Lääbe haige welle mit Suffe, Frässe, Huere und Glücksspil uskoschte.

Die menschligi Unmenschligkeit isch durchuus menschlig. Angst und Panik löhn au hitezetag d Mensche ze verängstigte Raubtier wärde. Aber doodrfiir bruuchts nit emool e Epidemie. Das het is ebbe d Massehysterie bi dr „Loveparade“ z Duisburg exemplarisch vor Auge gfiehrt. Oder, vyl harmlooser: hän-er au scho-n-emool beobachtet, wie kopflos Kinobsuecher reagiere, wo d Pause rauchend im Freije gniesse, wenns pletzlig afoht rägne? Mir wänn also nit iberlääge tue und dängge, mir wurde-n-is in-emene-sottige Schräckes-Szenario wie d Pest bsunnener und gscheiter verhalte.
Analog ze nationale kriegerische Usenandersetzige, wo aktuell nimm dr globali Kampf im Vordergrund stoht sondere hinterlistige Terrorismus mit arglistige Aschleeg, heimtückische Brief-und Paketbombe und menscheverachtende Sälbstmorattentat, sinn s im hitige Lääbe vom Bebbi weniger die wältwyte Epidemie, wo - berächtigti - Ängscht usleese; es sinn efang alltägligi Gwaltexzäss mit grässlige Raubüberfäll oder unsinnige Masseschlegereie. En-an-sich harmlose Fuessballmatch grootet so zem perseenlige Verhängnis z wärde, e friidligi Demonstration zem Saubannerzug und dr nächtlig Haiwääg birgt efang e unberächbar Gfoorepotential. Dr vyl ghört Ruef no meh Polizei isch drum zwoor sicher berächtigt. Andersyts wämmer au kai Polizeistaat. Jedefalls sott ejede meglischt kiehle Kopf bewahre, muetig aber bsunne handle, also sich wehre oder em Mitmensch hälfe, allerdings ohni dr Held z`spiile. (I gib allerdings zue, ass au ich drmit jetzt e öffedlig Wasser predig und haimlig Wy dringg.)

In unserer hochtächnisierte Wält reagiere mir jo bereits bi glainschte Problem verstört und alles anderi als umsichtig, bsunderbar, wenn emool d Tächnik versait:
Wo-n-i vor e paar Wuche ha welle mi Maisterreed afo schryybe, isch es bim guete Wille bliibe, denn mi Computer het nit welle, wie-n-ich ha welle. Das het mi mächtig gergeret. E Fachmaa het denn das fir mi tächnisch Mysterium wider in Ornig brocht, so ass i mini Gedanke doch no ha kenne ufschriibe, bivor i si wider vergässe ha. Dasch fir aimool allerdings nid wyter schlimm gsy, denn i ha no-n-e bitzeli Zyt gha bis zem Vogel Gryff. Wenn aber im hektische Gschäftsläbe emool dr Computer iber e gwissi Zyt usstigt, stehn alli Reeder still, denn ohni die Maschine lauft so guet wie gar nyt, sinn doch die haimelige an sich no bruuchbare Schryyb-oder Rächnigs-Maschine vor nit allzue langer Zyt achtlos usgstaubt worde. Alli wäsedlige und au alli unwichtige Entschaidigsgrundlage sinn hit nimme im-ene fiirsichere Källerarchiv sondere als Datestämm im-ene Server vor jedem Zuegriff gschitzt; an dä kunnt-me als Otto Normalverbruucher nit ane. Bis das Wunderwärk vo dr Tächnik wider lauft, isch me-n-also zem Nytdue verdonneret (was an sich au nit so schlimm isch.)

Wo-n-i im letschte Winter in emene nätte Chalet Ferie gmacht ha, isch fir e paar Stund dr elektrisch Strom usgfalle. Afänglig isch es jo ganz romantisch gsi, mit Kerzeliecht z’lääbe. Allerdings isch`s in dr Stuube bald emool zimmli kiehl worde, denn au d Heizig het gstraikt. Däm Misstand het me zwoor mit emene warme Pullover abhälfe kenne; aber wirklig gmietlig isch es nimme gsi. Will au dr elektrisch Härd gmeuteret het, bi-n-i uf die gloriosi Idee verfalle, me kennt jo ufe kalti Platte mit däm heerlige Ufschnitt vom örtlige Metzger uswyyche. Drby ha-n-i aber nit dra dänggt, ass dää numme-n-e elektrischi Trangschiermaschine het, so ass me au doo an d Gränze vo dr Tächnik gstosse isch. Ass denn die an sich reizendi Verkaifere im mit Kerzli erliichtete Kolonialwarelädeli d’ Yykaif vo Hand het zämerächne miesse – und Kopfrächne schynt nit grad ze ihre Sterkene ghert z ha – het denn zwoor ebbis Riehrends an sich gha; aber das alles het zaigt, wie hilfos mir im Grund gno scho im Klaine sinn ohni d Sälbschtverständligkeit „Elektrizität“.
Am 10. Novämber 2010 hani in dr Zytig glääse uf d Tagesfroog, ob me Verständnis haig fir d Protäscht gege-n-e Castor-Atommüll-Zug z Ditschland, als Antwort vonere 18-jährige Basler Lehrtochter (Zitat): „Nai, i ha kai Verständnis fir die Protäscht z Ditschland. Mir isch’s egal, wohär dr Strom kunnt und ob dr Atommüll strahlt. Dr Strom muess aifach us dr Steckdose ko!“
Esoo goht’s jo wirglig nit. Aber unsere Bedarf no gniegend elektrischem Strom isch nit aifach z befridige. Es isch laider e Tatsach: mer bruuche gniegend und immer meh Strom. (In dr Schwyz sinn’s 1,5-2% meh pro Johr.) Glyychzytig sott er meegligscht nit us Atomkraftwärk stamme. Erneuerbari Energie sinn drum d Devise. I dängg, mer sinn is ainig, ass suuberi Energie us Wasser-, Wind-und Solarkraft oder Geothemie de - trotz alle Sicherheitsmassnahme halt doch bedänklige - Atomkraftwärk mit ihre Ändlager, wo im Grund gnoo niemeds will, vorzzieh sinn.
Aber do klage die ainte, es däge d Solardächer s Ortsbild verschandle, die andere, d Windturbine wurde nit in d Landschaft passe, und e glai Ärbebe het em Glaihiniger Geothermie-Projäggt gar dr Garuus gmacht. Es will ejede bedänkeloos Strom bruuche, aber niemeds Iischränkige dur d Beschaffig in Kauf näh, ejede au mit dem Händy delifoniere, e kaine die neetige Antenne dulde, ejede also dr Batze und s Weggli bikoo, und drzue s Uusegäld driberyy. Ass das nit funktioniere ka, weis theoretisch ejede, aber in dr Praxis hebt me sich lieber ans St. Florians-Prinzip, wo bekanntlig haisst: „Hailige Sankt Florian, verschon doch bitti my Huus, zünd lieber anderi a!“
Mr sinn, ob mer s wohr ha wänn oder nit, hailos vo dr Tächnik abhängig, so ass s alltäglig Lääbe ohni si kuum me dänggbar isch; wie gseh, in dr Stromversorgig, aber au in alle andere Läbeslage. So het im letschte Dezämber s Winterwätter dr halb und im Friehjoor 2010 e Aeschewulgge no-n-emene Vulkanusbruch z Island dr ganz Flugverkehr in Europa kenne lahm lege, und, wo im Novämber 2010 d Swisscom-Händybsitzer nit hän kenne ufs Internet zuegriffe oder gar vor zwai Joor z´Ditschland vierzig Millione Handy ganz usgfalle sinn, wil zwai Computer by T-Mobile kollabiert sinn, het’s usgseh, als ob s Lääbe still stieng. Ebbis Ähnligs ha-n-i beobachtet, wo kirzlig im-ene Supermärt die computergstiirte Kasse tämporär usgfalle sinn, so ass sich e langi Schlang vo meh als ungeduldig wartende Kunde bildet het. Oder: wie ka-me sich ergere, wenn bim Bancomat s Läsgrät futsch isch und drmit d Kreditkarte zue-m-ene wärtlose Stigg Plastik wird.

Simmer ehrlig: wie vyyl grässliger als derigi Bagatelle sinn denn doch wirkligi Katastrophe wie d Pest oder anderi Pandemie, bispilswyys syt 1977 HIV, und e mängg anderi, vo dr spanische Grippe vo 1918 bis zer Seyligrippe vo 2009; au die hät nämli e global Desaster kenne uslese. Erscht, wenn s passiert isch, also wenn s spoot isch, wärde Kriseplän diskutiert und frogt me sich maischtens, wie s iberhaupt so wyt het kenne ko und worum me nit rächtzytig wirksami Gegemassnahme yyglaitet het. Fir d Pest, wo ganz Europa iberzooge het, isch e Tatare-Heer ursächlig gsi, wo-n-e genuesischi Handelsniderlassig uf dr Krim am schwarze Meer bilageret het. In ihre Raihe isch die tödligi Kranket usbroche, so ass d’Belagerig het miesse abbroche wäre. Vor em Abzug het denn dr Befählshaber absichtlig d Lyche vo de Pestopfer mit Katapult in d Stadt schleudere losse, und soo hän sich d’Iiwohner agsteckt. Kurz druffabe isch denn die mörderischi Siichi entlang vo de Handelsroute in unseri Gegende yygschleppt worde.

Aber no bivor d Pest in der Stadt Basel akoo isch, bivor iberhaupt ebber krank worde-n-isch und bivor überhaupt e-n-erste Pesttote z beklage gsi wär, hän d Lyt scho duuredrait. So gross isch ebe d Angscht und dr Schräcke gsi, wo dr Pest vorusgange isch. S Grücht het bald d Rundi gmacht, ass d Jude als Brunnevergifter mit fremdländische Giftseggli ummegienge; mit däne welle si d Christe uslösche. Me het doodrmit, e geeignete Prügelknab gha, wo me alles Ungmach het könne in d Schueh schiebe. In emene Holzhuus auf ere Rhyinsle isch denn am 9. Jänner 1349 e Dail vo dr jüdische Bevölkerig vo Basel bi lebändigem Liib verbrennt worde, und das, ohni ass dä Massemord vom Stadtroot wirksam verhinderet worde wär. Ähnligs het sich allerdings au in Ditschland oder in de Niderlande abgspiilt.
(Was die ganzi Ruefmord-Aktion z Basel gege die jüdische Kauflyt als Urheber vo dr Pest no froogwürdiger erschine lot, isch s Faktum, ass es emene mänge, wo bi-n-ene in dr Kriide gstande-n-isch, nit unglääge koo isch, ass er soo uf aifachschtem Wääg sini Schulde het kenne loswärde.)
Es sinn allewyl, au hit no, kulturelli Randgruppe, wo am maischte liide, wenn d Mensche mit emene Problem nit fertig wärde, wenn me e Sündebock bruucht, also aine, wo me fir ebbis ka verantwortlig mache, wo-n-er aigedlig gar nyt drfir ka. No hitezedaag isch das jo e beliebte Trick, oder: Hand uf s Härz: sueche nit mir sälber au ab und zue no-n-emene Sündebock, anstatt zue unsere Fähler z stoh und ärnschthaft no perseenlige Lesige z sueche?

Nit numme d’Pest als Siichi vom Mittelalter het de Mensche griisli z schaffe gmacht, sondere au immer wider entsetzenerregendi Naturkatastrophe: Dängg-mr numme-n-an Tsunami, das verheerend Seebebe mit ere hoche Fluetwälle im indische Ozean vom Dezämber 2004, wo au Bebbi umkoh sinn, oder an s Ärdbebe z Haiti, die furchtbare Wald-und Torfbränd z Russland und die entsetzligi Fluetkatastrophe z Pakistan vom letschte Joor oder ans derzytig Hoochwasser z‘Australie.

Als Hilfsmittel bi dr perseenlige Bewältigung vo sottige Herusforderige biete sich no miner Uffassig die hit e bitz in Vergässehait grootene Grundtugende aa:

  1. Dr Glaube oder zmindscht e positivi Lääbesystellig, nämli ebbe das, wo sälli Mamme im 2. Wältkrieg, wo d Läbesmittel rationiert gsi sinn, ihre Kinder prediget het: „Hit git’s zwailerlei Gmies zem Mittagässe, grossi und glaini Härdepfel“.
  2. D Liebi oder au d Frindschaft: Wenn-me die Drei Ehregsellschafte nit numme als Spassgsellschaft verstoht, und das wänn-mer, so hoff-i, doch alli, wäre si sicher e guete Nährbode fir gegesitigi Ateilnahm. „Zämme fägts“ ebe.
  3. Hoffnig und Zueversicht, wie sie ebbe im „Beresinalied“ beschwore wärde in emene Momänt, wo d Schwizer Söldner im Russlanfäldzug in ere vezwiiflete Situation gsi sinn:

Mutig, mutig, liebe Brüder,
Gebt das bange Sorgen auf;
Morgen steigt die Sonne wieder
Freundlich an dem Himmel auf.

Au d Bible brichtet vo enere grässlige Iberschwemmig - vo dr Sintfluet. Aber, so stohts im Alte Testamänt, wo dr Noah no rund 10 Monet heftigtschtem Räägewätter dangg syner Arche wider Land unter de Fiess gha het, het er e Räbstock gsetzt als Neuafang vom Lääbe no dr Katastrophe. Und soo bikunnt d Rääbe und dr Wy e ganz e spezielli Beditig, nit numme im Rääbhuusjohr. Si stehn fir Wytermache, fir Bliehe und Gedeihe, au no dr Katastrophe.

„In dr Schwiz gits guete Wy“; so haisst dr ursrpinglig Tägscht, wo speeter dur „Basel am mim Rhy“ verdrängt worde-n-isch. Und sottige wämmer au am hiirige Gryffemähly frehlig gniesse, denn, au wenn hitezetag nit alles so isch, wie mr’s villicht gärn hätte, goht’s is doch aigedlig guet und klage-mr - gnau gno - jewiile uf hoochem Niveau. Jedefalls git’s nit wirklig e plausible Grund, dr Rääbesaft sinnlos abezschitte und - au im ibertragene Sinn - in’s Eländ z’dringge. Beraits im Joor 1700 vor Christi het dr beriehmt Gsetzgäber vo Mesopotamie, dr Hammurabi, in sym Codex festghalte, ass dr Wy zue de kostbarste Gabe uf Ärde gheri . Drum verlang’er Liebi und Respäkt, und mr haige-n-em die neetig Achtig z erwiise! Und s’Entsprächend gilt no miner Mainig glyychermasse fir unsere Lääbessaft. Däm sotte-mr gnau so Sorg gä!

Drum erheb-i jetzt au mi Laiebächer voller heerligem Wy und dringg-i ufs Wohl vo Ihne alle.

13..01.11   Dr. Rudolf Grüninger, Meister E.E. zum Rebhaus